Moderne Fehlerkultur: Jogi Löw als Paradebeispiel für transformationale Führung
Wie aus Fehlern eine Lernkurve wird und das Unternehmen weiter nach vorne bringen kann. Jogi Löw als Paradebeispiel für transformationale Führung.
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moderne Fehlerkultur in der transformationalen Führung

Moderne Fehlerkultur: Jogi Löw als Paradebeispiel für transformationale Führung

Seit der Ankunft der deutschen Mannschaft letzter Woche in Frankfurt bewegt mich eins: Wie wird es mit dem Bundestrainer weitergehen? Noch viel wichtiger ist jedoch die Frage: Wie geht der DFB mit dem Scheitern des Bundestrainers um?

Jogi Löw gilt als Paradebeispiel der transformationalen Führung. Diese ist eine Erweiterung der bekannten Führungsstile, die sich in der Vergangenheit stark auf die Vereinbarung „Leistung gegen Bezahlung“ fokussiert haben. Diese Art der Führung nennt man transaktional, weil sie auf einer Transaktionen, einem Tausch beziehungsweise Geschäft basiert. In der Regel enthalten Praxisanwendungen dieser Führungsart ein Belohnungssystem, in dem gute Leistungen mit einer Prämie belohnt werden, und ein regulierendes Einschreiten der Führungskraft zur Fehlervermeidung. In einer ruhigen Wirtschaft funktionieren diese Methoden effizient und erfolgreich. Der Führungsstil von Jogi Löw ist anders: Er lässt Management-Themen nicht außen vor und konzentriert sich voll und ganz auf reines Leadership. Die wesentlichen Merkmale der transformatioanlen Führung sind die 4 I:

Idealized Influence (Vorbildfunktion): Die Führungskraft lebt die eigenen und idealerweise die Werte des Unternehmens für jeden erkennbar vor (Integrität). Sie gilt als positives Beispiel im Unternehmen im Sinne einer Vorbildfunktion.

Inspriational Motivation (inspirierende Motivation): Die Führungskraft inspiriert die Mitarbeiter und kreiert ein gemeinsames, motivierendes Zielbild für das Team beziehungsweise das Unternehmen. Durch die Identifikation mit dem Zweck und der Vision entsteht ein eigenes Interesse der Mitarbeiter, sich im Unternehmen einzubringen (= intrinsische Motivation).

Intellectual Stimulation (intellektuelle Anregung): Die Führungskraft regt die Mitarbeiter an, sich über die Standards Gedanken zu machen und diese in Frage zu stellen. So sollen Prozesse, überholte Normen, Regeln und Vorgehensweisen Platz machen für Innovationen. Diese Vorgehensweise setzt eine hohe Fehlerakzeptanz seitens der Führungskraft voraus. Oder anders ausgedrückt: Vertrauen.

Individualized Consideration (individuelle Unterstützung): Die Führungskraft kennt die Karrierewünsche und persönlichen Ziele der Mitarbeiter und hilft durch gezielte Förderung, dass diese ihre Ziele erreichen und neue Kompetenzen entwickeln. Das wiederum fördert das Selbstvertrauen der Mitarbeiter.

Weil die Unterscheidung zwischen Leadership, Management, Führungsstil, Führungsinstrument und Führungsmethode in der Regel nur diffus bekannt sind, fällt es vielen schwer, sich ein klares Konzept für die Führungsarbeit zu erstellen. In der heutigen Zeit ist das jedoch das A und O, denn nur so kommen neue Impulse ins Unternehmen. Eine Konsequenz davon ist – wie unter Intellectual Stimulation beschrieben – eine Fehler- und Vertrauenskultur zu leben. Bei Fehlern wird in Unternehmen oft aus einem Impuls heraus gehandelt: Die Führungskraft muss ihren Platz räumen. Die Diskussion um Jogi Löw zeigt, dass diese Vorgehensweise auch im Fußball die gängige Praxis ist. Wenn Sie sich jedoch die oben genannten Aspekte der transformationalen Führung genauer ansehen, kommen Sie zu dem Schluss: Trennung kann nur dann eine Lösung sein, wenn ein Mitarbeiter oder eine Führungskraft einen Fehler begeht, der grob fahrlässig und sehr riskant war oder bei dem er seine Kompetenzen klar überschritten hat.

Aus Fehlern lernen

Dies kann ich bei Jogi Löw nicht erkennen. Man wirft ihm vor, er habe zu sehr an seinem alten Team festgehalten – möglicherweise ein Sicherheitsdenken, das neuen dynamischen Spielern den Weg versperrt hat. Das können andere besser beurteilen als ich. Darum geht es mir aber auch nicht. Es geht mir darum, wie man mit Fehlern im Unternehmen umgeht. Wie das System aus Fehlern eine Lernkurve macht und weiter nach vorne schreitet. Ein Unternehmen, das bereit ist für Veränderungen und sich erfolgreich und langfristig am Markt etablieren möchte, muss die transformationale Führung mit einer entsprechenden Fehlerkultur und Fehlertoleranz in den Fokus rücken. Ehrlich, transparent und verantwortungsvoll muss dann der Umgang mit Fehlern sein. Das wird nur gelingen, wenn man den Impuls unterdrückt, bei einem Fehler nicht sofort eine Kündigung erteilt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 1.7.2018 hat der DFB Jogi Löw das Vertrauen ausgesprochen. Damit ist der DFB vielen Unternehmen voraus, die noch immer ihre Führungskräfte wegen eines (öffentlichen) Fehlers entlassen. Der DFB ist aus meiner Sicht momentan ein echter Vertreter der transformationalen Führung. Das heißt nicht, dass die Fehler damit vom Tisch sind. Es bedeutet, dass man Fehler herausfiltert, eine Lernerfahrung macht und zukünftig andere Entscheidungen treffen oder neue Kriterien für eine Entscheidungsfindung definieren wird. Ich freue mich, dass Jogi Löw den Mut dazu hat und weiterhin Bundestrainer bleibt.

Bild: Viktoria Kurpas/shutterstock.com